Gitarren-Grundlagen
Gitarren-Akkorddiagramme lesen
Ein Akkorddiagramm packt alles, was du für einen Akkord brauchst – welche Saiten, welche Bünde, welche Finger – in ein winziges Raster. Sobald du weißt, was jedes Zeichen bedeutet, kannst du jeden Akkord lesen, der dir begegnet: vom ersten offenen C bis zum Barré-Griff mitten auf dem Hals. Hier sind alle Zeichen der Reihe nach.
Lieber sehen statt lesen? Der Gitarrenakkord-Editor zeichnet für jeden Akkord, den du eingibst, sofort ein korrektes Diagramm.
Akkord-Editor öffnenWas ein Akkorddiagramm eigentlich zeigt
Ein Akkorddiagramm (auch Griffbild, Griffdiagramm oder Chord-Box) ist eine kleine Zeichnung eines Abschnitts deines Gitarrenhalses, von vorn gesehen. Senkrechte Linien stehen für die sechs Saiten, waagrechte Linien für die Bünde, und Zeichen auf diesem Raster sagen dir genau, wo deine Finger hingehören. So lässt sich ein Griff kompakt und anschaulich aufschreiben, ganz ohne Notenlesen – genau deshalb wurde das Griffbild zur Standardmethode, mit der Gitarren- und Ukulele-Schulen Akkorde beibrachten, als beide Instrumente in den 1920er-Jahren ein Massenpublikum erreichten, wie der Wikipedia-Artikel zu Akkorddiagrammen (englisch) beschreibt. Ein Jahrhundert später ist es immer noch der schnellste Weg, jemandem einen Akkord zu zeigen.
Die Ausrichtung entspricht deinem eigenen Blick auf die Gitarre, nicht einem Spiegelbild. Halte die Gitarre in Spielposition und kippe den Hals nach oben, sodass die Kopfplatte zur Decke zeigt – genau das zeigt dir das Diagramm: die tiefe, dicke E-Saite links, die hohe, dünne E-Saite rechts und den Sattel oben.
Die sechs senkrechten Linien: deine Saiten
Jede der sechs senkrechten Linien ist eine Saite, in derselben Reihenfolge von links nach rechts, in der du sie siehst, wenn du auf deine Gitarre schaust. In Standardstimmung ist das von tief nach hoch: E, A, D, G, H, E – international geschrieben E, A, D, G, B, E, denn die Note H heißt im Englischen B. Die tiefe und die hohe E-Saite liegen zwei Oktaven auseinander und rahmen den Satz ein (siehe Gitarrenstimmung). Ein Diagramm schreibt die Saitennamen nie direkt ins Raster; es setzt voraus, dass du die Reihenfolge kennst – die solltest du dir also als Erstes merken.
Die waagrechten Linien: Bünde – und die dicke Linie oben: der Sattel
Die waagrechten Linien markieren die Bünde und werden von oben nach unten gelesen, genau wie der Hals selbst: Oben im Diagramm ist die Kopfplatte, unten der Korpus. Wird ein Akkord ganz oben am Hals gespielt – in der sogenannten offenen Lage –, ist die oberste Linie deutlich dicker als die anderen. Diese dicke Linie ist gar kein Bund, sondern der Sattel, die kleine Leiste zwischen Griffbrett und Kopfplatte. Darunter folgt der 1. Bund, dann der 2. Bund und so weiter.
Punkte, Zahlen und wohin deine Finger gehören
Ein ausgefüllter Punkt auf dem Kreuzungspunkt von Saite und Bund bedeutet: Drück diese Saite in diesem Bund herunter. Eine Zahl im oder direkt unter dem Punkt sagt dir, welchen Finger du nimmst – nach derselben Zählung wie beim Klavier-Fingersatz: 1 ist der Zeigefinger, 2 der Mittelfinger, 3 der Ringfinger und 4 der kleine Finger. Den Daumen markieren Diagramme normalerweise nicht, weil er bei einem normalen Akkordgriff hinter dem Hals bleibt und nicht auf dem Griffbrett liegt.
X und O: Saiten, die du abdämpfst oder leer spielst
Über der obersten Linie siehst du über manchen Saiten ein kleines X oder O. Ein X heißt: Diese Saite gar nicht spielen – leg einen Finger leicht dagegen, um sie abzudämpfen, oder lass sie beim Schlagen oder Zupfen einfach aus. Ein O heißt: Diese Saite leer spielen, also klingen lassen, ohne einen Bund zu greifen. Eine Saite ohne Zeichen und ohne Punkt wird in den meisten Schreibweisen ebenfalls leer gespielt, aber die Gepflogenheiten unterscheiden sich je nach Verlag – ein Diagramm, das jede Saite ausdrücklich mit X oder O markiert, ist also kein Übermaß, sondern angenehm eindeutig.
C-Dur offen – Sattel, Punkte, X und O in einem Griff.
F-Dur – ein Barré statt drei einzelner Punkte im 1. Bund.
Derselbe Griff wie F, nach oben verschoben: kein Sattel, eine „3“ zeigt den Startbund.
Der Akkord-Browser enthält Hunderte Akkorde, jeder mit einem bereits korrekt gezeichneten Diagramm – inklusive Barrés und Bundzahlen.
Barré-Akkorde: ein Finger, mehrere Saiten
Manchmal muss ein einzelner Finger mehrere Saiten gleichzeitig herunterdrücken und wirkt dann wie ein vorübergehender Sattel weiter oben am Hals – das klassische Beispiel ist F-Dur: ein E-Dur-Griff, bei dem der Zeigefinger flach über den 1. Bund gelegt wird. Das ist ein Barré (vom französischen Wort für „Balken“, siehe den Wikipedia-Artikel zum Barré). Diagramme zeigen ihn als einen durchgehenden Balken oder ein abgerundetes Rechteck über alle Saiten, die er abdeckt, statt als einzelne Punkte auf jeder Saite. Er trägt fast immer die Fingerzahl 1, weil der Zeigefinger lang genug ist, um quer über den Hals zu reichen; die übrigen Finger formen dann den Rest des Akkords in höheren Bünden, wie das zweite F-Diagramm oben zeigt.
Barrés brauchen echte Kraft in der Hand, damit sie sauber klingen; schnarrende oder gedämpfte Töne bei einem neuen Barré-Akkord sind anfangs völlig normal. Die Wikibooks-Anleitung zu Barré-Akkorden (englisch) ist eine solide, kostenlose Hilfe, um diese Kraft nach und nach aufzubauen, statt sie zu erzwingen.
Wenn der Sattel fehlt: Bundzahlen und verschiebbare Griffe
Sobald ein Akkord die offene Lage verlässt, zeichnet das Diagramm oben keine dicke Sattellinie mehr – denn diese oberste Linie ist dann nicht mehr der Sattel, sondern irgendein normaler Bund mitten auf dem Hals. Damit es eindeutig bleibt, steht neben dieser obersten Reihe eine Zahl (wie im dritten Diagramm oben), die genau angibt, welcher Bund gemeint ist. Genau diese kleine Änderung macht Barré-Griffe so praktisch: Der F-Dur-Griff im 1. Bund ist F, derselbe Griff zwei Bünde höher im 3. Bund ist G, und im 5. Bund ist es A – dasselbe Fingermuster, neu benannt nach dem Bund, auf den die Zahl zeigt.
Ein Diagramm mit Sattel ist immer offene Lage
Siehst du die dicke oberste Linie, beginnt der Akkord direkt an der Kopfplatte – meist sind dann einige Saiten leer (O) oder abgedämpft (X), denn leere Saiten gibt es nur vom Sattel aus.
Ein Diagramm mit Bundzahl hat keine leeren oder abgedämpften Saiten am Sattel
Jede Saite in diesem Griff wird entweder irgendwo im Kasten gegriffen oder gehört gar nicht zum Akkord – X und O ergeben nur bei leeren Saiten Sinn, und sobald du den Sattel verlässt, ist keine der gezeigten Saiten mehr leer.
Typische Fehler beim Lesen eines Akkorddiagramms
Ein paar Dinge bringen beim ersten Mal fast jeden durcheinander:
Das Diagramm für gespiegelt halten. Ist es nicht. Stell den Hals deiner Gitarre beim Hinschauen aufrecht, dann liegen die Saiten genau von links nach rechts wie im Diagramm – kein Umdenken nötig, für Rechts- wie Linkshänder (eine Linkshänder-Gitarre braucht einfach ein eigenes Diagramm, das der Zeichner einmal gespiegelt hat, nicht du beim Lesen).
X als „leer spielen“ lesen. X heißt: Diese Saite weder mit Plektrum noch mit Fingern anschlagen. Die Verwechslung mit O ist einer der häufigsten Anfängerfehler und verändert den Klang des Akkords.
Einen Barré mit einzelnen Fingern greifen. Zeigt ein Diagramm einen Balken über mehrere Saiten, ist das ein Finger, nicht drei oder vier – jede Saite einzeln zu greifen, verbraucht nur Finger, die du für den Rest des Griffs brauchst.
Annehmen, dass jeder Akkord am Sattel beginnt. Wer nicht auf die Bundzahl achtet, greift einen Akkord schnell zwei oder drei Bünde zu tief oder zu hoch und wundert sich, warum er falsch klingt.
Jedes Akkorddiagramm, sofort und korrekt
Der Gitarrenakkord-Editor erzeugt für jeden Akkord ein sauberes, genaues Diagramm – nach Namen suchen, nach Familie stöbern oder einen eigenen Griff von Hand bauen – und exportiert es als SVG oder PNG.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Punkte in einem Gitarren-Akkorddiagramm?
Jeder Punkt zeigt, wo du eine Saite mit einem Finger herunterdrückst. Seine Position im Raster verrät die Saite (von links nach rechts) und den Bund (von oben nach unten); eine Zahl im oder unter dem Punkt sagt dir, welchen Finger du nimmst.
Was bedeuten X und O über einem Akkorddiagramm?
Ein X über einer Saite heißt: diese Saite gar nicht spielen – beim Schlagen oder Zupfen auslassen. Ein O heißt: die Saite leer spielen, ohne einen Bund zu greifen.
Ist ein Akkorddiagramm gespiegelt oder so, wie ich die Gitarre sehe?
Es entspricht deinem eigenen Blick. Halte die Gitarre in Spielposition und kippe den Hals nach oben, sodass die Kopfplatte zur Decke zeigt: Genau so ist das Diagramm aufgebaut – tiefe E-Saite links, hohe E-Saite rechts, Sattel oben.
Was bedeutet es, wenn ein Akkorddiagramm keinen Sattel, sondern eine Zahl hat?
Der Akkord wird dann nicht ganz oben am Hals gespielt. Die Zahl neben der ersten Bundreihe sagt dir, welcher Bund das tatsächlich ist – so lässt sich derselbe Griff überall auf dem Hals verschieben.
Wie wird ein Barré-Akkord im Diagramm dargestellt?
Statt einzelner Punkte auf jeder Saite zeichnet man einen Barré als durchgehenden, geraden oder gebogenen Balken über alle Saiten, die er abdeckt – meist mit einer einzigen Fingerzahl, fast immer der 1 für den Zeigefinger.
Was ist der Unterschied zwischen Akkorddiagramm und Akkordblatt?
Ein Akkorddiagramm ist das kleine Griffbrett-Raster, das genau zeigt, wo die Finger für einen Akkord hingehören. Ein Akkordblatt (Leadsheet) enthält die Akkordsymbole eines ganzen Songs, etwa C oder Am7, über dem Text – es sagt dir, welche Akkorde wann kommen, aber nicht, wie du sie greifst.
Quellen
- Chord diagram (music), Wikipedia (englisch) – Definition, Geschichte und der Gitarren- und Ukulele-Boom der 1920er.
- Gitarrenstimmung, Wikipedia – die Standardstimmung E-A-D-G-H-E, auf die sich diese Anleitung bezieht.
- Barré, Wikipedia – was ein Barré ist und woher der Begriff kommt.
- Guitar/Barre Chords, Wikibooks (englisch) – eine kostenlose, praktische Anleitung zum Aufbau von Barré-Kraft.