Text verschlüsseln

Vigenère-Verschlüsselung – erklärt und geknackt

Die Vigenère-Verschlüsselung galt drei Jahrhunderte lang als unknackbar. Sie nutzt ein Schlüsselwort und verschiebt jeden Buchstaben anders. Hier steht, wie sie funktioniert, wie du sie mit dem Vigenère-Quadrat von Hand rechnest – und wie man sie trotzdem knackt.

Direkt loslegen: Schlüsselwort eingeben, Text eintippen – mit Schritt-für-Schritt-Anzeige von Klartext, Schlüssel und Geheimtext.

Vigenère-Tool öffnen

So funktioniert die Vigenère-Verschlüsselung

Die Vigenère-Verschlüsselung ist eine Caesar-Verschlüsselung mit wechselnder Verschiebung. Ein Schlüsselwort wird so oft unter den Text geschrieben, bis jeder Buchstabe einen Partner hat. Jeder Schlüsselbuchstabe gibt die Verschiebung vor: A = 0, B = 1, C = 2 … Z = 25.

Klartext:   TREFFPUNKTAMBAHNHOF
Schlüssel:  ZITRONEZITRONEZITRO
Geheimtext: SZXWTCYMSMRAOEGVAFT

Das erste T wird mit Z um 25 verschoben und landet auf S, das R mit I um 8 auf Z – und so weiter. Gleiche Klartextbuchstaben werden so zu verschiedenen Geheimbuchstaben: Die beiden F in „TREFF“ werden zu W und T. Genau das macht einfache Häufigkeitsanalyse unbrauchbar.

Mathematisch: Geheim = (Klar + Schlüssel) mod 26, entschlüsselt wird mit Klar = (Geheim − Schlüssel) mod 26. Leerzeichen und Satzzeichen bekommen keinen Schlüsselbuchstaben.

Das Vigenère-Quadrat (Tabula recta)

Von Hand rechnet man mit dem Vigenère-Quadrat: Zeile = Schlüsselbuchstabe, Spalte = Klartextbuchstabe, im Schnittpunkt steht der Geheimbuchstabe. Zum Entschlüsseln sucht man in der Zeile des Schlüsselbuchstabens den Geheimbuchstaben – die Spaltenüberschrift ist der Klartext.

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
AABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
BBCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZA
CCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZAB
DDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABC
EEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCD
FFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDE
GGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDEF
HHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFG
IIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGH
JJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHI
KKLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJ
LLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJK
MMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJKL
NNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJKLM
OOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMN
PPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNO
QQRSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOP
RRSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQ
SSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQR
TTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRS
UUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRST
VVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTU
WWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUV
XXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVW
YYZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWX
ZZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXY

Schlüsselwort wählen und loslegen – oder einen Vigenère-Text ohne Schlüssel knacken lassen.

Geschichte: „le chiffre indéchiffrable“

Das Verfahren beschrieb Giovan Battista Bellaso 1553. Den Namen bekam es vom Franzosen Blaise de Vigenère, der 1586 eine verwandte, stärkere Variante (Autokey) veröffentlichte. Rund 300 Jahre galt die Chiffre als unknackbar. Charles Babbage knackte sie um 1854, veröffentlichte aber nichts; 1863 beschrieb der preußische Offizier Friedrich Kasiski die Methode als Erster öffentlich.

Verwandte Varianten, die das Tool ebenfalls beherrscht:

Vigenère knacken in drei Schritten

  1. Schlüssellänge finden. Kasiski-Test: Wiederholen sich im Geheimtext Buchstabenfolgen, ist ihr Abstand oft ein Vielfaches der Schlüssellänge. Genauer ist der Koinzidenzindex nach William Friedman: Teilt man den Text in so viele Spalten, wie der Schlüssel lang ist, sieht jede Spalte wieder wie normale Sprache aus – deutscher Text hat einen Index von etwa 0,076, gleichmäßig verteilte Buchstaben nur 0,038.
  2. Jede Spalte wie Caesar knacken. Jede Spalte ist mit derselben Verschiebung verschlüsselt. Ihr häufigster Buchstabe steht meist für E – daraus folgt der Schlüsselbuchstabe dieser Spalte.
  3. Lesen und nachbessern. Ergibt der Text Sinn, ist der Schlüssel gefunden. Bei kurzen Texten liegt manchmal ein einzelner Buchstabe daneben.

Das Tool macht all das automatisch, wenn du „Knacken“ wählst: Es prüft Schlüssellängen bis 20 über den Koinzidenzindex, bestimmt jeden Schlüsselbuchstaben mit dem Chi-Quadrat-Test für Deutsch und Englisch und zeigt Schlüssel und Klartext. Ab etwa 100 Buchstaben klappt das zuverlässig.

Tipp für sichere Rätsel: Je länger und zufälliger das Schlüsselwort und je kürzer der Text, desto schwerer wird das Knacken. Ist der Schlüssel so lang wie der Text und völlig zufällig, ist die Verschlüsselung sogar beweisbar sicher – das ist das One-Time-Pad.

Vigenère online ver- und entschlüsseln

Mit Beaufort und Autokey, Anzeige der Schlüsselbuchstaben, automatischem Knacken und Häufigkeitsanalyse. Läuft nur in deinem Browser.

Häufige Fragen

Wie funktioniert die Vigenère-Verschlüsselung?

Jeder Buchstabe wird wie bei Caesar verschoben, aber die Verschiebung wechselt: Sie ergibt sich aus dem jeweiligen Buchstaben eines Schlüsselworts, das sich wiederholt (A = 0, B = 1 … Z = 25).

Wie entschlüssele ich Vigenère ohne Schlüssel?

Erst die Schlüssellänge bestimmen (Kasiski-Test oder Koinzidenzindex), dann jede Spalte wie eine Caesar-Verschlüsselung per Häufigkeitsanalyse knacken. Das Tool erledigt das mit „Knacken“ automatisch.

Wie lang muss der Text zum Knacken sein?

Als Faustregel etwa 100 Buchstaben, bei langen Schlüsselwörtern mehr. Je mehr Text pro Schlüsselbuchstabe, desto sicherer die Häufigkeitsanalyse.

Was ist der Unterschied zu Caesar?

Caesar verschiebt alle Buchstaben gleich weit, Vigenère wechselt die Verschiebung mit jedem Buchstaben des Schlüsselworts. Caesar ist eine Vigenère-Verschlüsselung mit einem Schlüssel aus einem Buchstaben.

Ist Vigenère heute noch sicher?

Nein. Seit 1863 ist bekannt, wie man sie knackt. Für echte Geheimnisse ist AES mit einem starken Passwort das richtige Verfahren.

Quellen

  1. Polyalphabetische Substitution und Vigenère-Chiffre – Wikipedia.
  2. Friedrich W. Kasiski: Die Geheimschriften und die Dechiffrir-Kunst, Berlin 1863.
  3. Koinzidenzindex nach William F. Friedman – Wikipedia.

Vigenère online ver- und entschlüsseln oder knacken – kostenlos.

Zum Tool